Das Museum der gestohlenen Erinnerungen

Ralf Isau

Als die Zwillinge Oliver und Jessica aus den Ferien nach Hause zurückkehren, haben sie ihren Vater vergessen. Nur ein beängstigendes Gefühl der Leere ist zurückgeblieben. Von ihm selbst fehlt jede Spur. Auf dem Dachboden finden sie in einer Truhe das Tagebuch des Vaters. Erstaunt lesen sie, dass der heutige Wachmann einst ein angesehener Wissenschaftler am Pergamon-Museum war.

Sie erfahren aus seinen Aufzeichnungen auch von Ouassinja, dem Reich der verlorenen Erinnerungen, und von Xexano, dem altbabylonischen Gott dieser geheimnisvollen Welt.

Um ihren Vater wiederzufinden, beschließen die Geschwister einen kühnen Plan. Oliver soll durch das lschtar-Tor im Museum nach Ouassinja hinüberwechseln - eine lnschrift verrät, wie das Fenster zwischen den Welten zu öffnen ist. Jessica dagegen muss einer Fährte folgen, die weit in die Vergangenheit Mesopotamiens zurückreicht.
Nur wenn das enge Band, das die Zwillinge über den Abgrund zweier Welten verbindet, nicht zerreißt, können sie ihren Vater zurückgewinnen. Doch schon bald wird ihnen bewusst, dass sie einer Verschwörung auf der Spur sind, die die Erinnerungen aller Menschen bedroht.

Ralf lsaus neuer Roman behandelt einen großen Stoff. Über die Abenteuerebene hinaus hat "Das Museum der gestohlenen Erinnerungen“ einen ernst zu nehmenden kulturellen und philosophischen „Uberbau“. Was ist Erinnerung? Was bedeutet Erinnerung für die Menschheit? Welche Gefahren drohen für unsere Gesellschaft, wenn wir vergessen, uns zu erinnern?


Stimmen zum Buch

„WlDER DAS VERGESSEN ... lsau knüpft ein großartiges Geflecht aus realer und irrealer Welt, in der sagenhafte Wesen wie der Pegasus oder das Einhorn lebendige und wichtige Hilfen sind. Immer mehr verschwimmen die Konturen beider Welten, denn auch im „wirklichen“ Berlin gibt es mysteriöse Zwischenfälle: alles, was an Diktatur und staatliche Willkür vergangener Zeiten erinnert, verschwindet. Weil es auch in den Erinnerungen der Menschen vergeht sind die negativen Folgen dieser Willkür ebenfalts nicht mehr präsent.
Ulrike Biermann, Eucnreport, 19 O2 7998
,... Menschliches Vergessen bedeutet Macht des Bösen. Und damit wird die Geschichte höchst aktuell. Auch hierzulande haben viele schon vergessen. was menschliche Bosheit den Menschen antun kann. Und wer vergisst, wiederholt alte Fehler. laßt lsau Miriam sagen, die zu den Guten gehört.
Otto Kuhn Stuttgarter /\Jar:hrc.hteh Stuttgarter Bucfivochen '
„... Und was wäre die Menschheit ohne Erinnerungen? Leicht zu beeinflussen, wie Treibholz Es gäbe keine Freundschafts-, noch Familienbande. Die Lehren, die man aus der Geschichte ziehen sollte, würden nicht gezogen werden. Niemand würde mehr für Menschlichkeit, Toleranz, Antirassismus, Umweltschutz eintreten. Diejenigen, die im Wege stehen, würden total ausgelöscht werden: es wird nicht einmal eine Erinnerung zurückbleiben.“
M.R. Buche-ves
„... Neben einer Reihe geschichtlicher Ereignisse und Persone, für die lsau umfangreiche Recherchen betrieben haben muss, steht die Frage nach der Bedeutung der Erinnerung für die Menschen im Mittelpunkt der Geschichte; „Der Roman" so lsau, „sollte auch zeigen, wie wichtig die Erinnerung in ihren verschiedenen Spielarten für unser Leben ist, sollte auch ein Appell gegen lntoleranz und Gleichgültigkeit sein.“
Facnzefs ' JK :er

Der Autor

Ralf lsau wurde 1956 in Berlin geboren. Er arbeitet neben dem Schreiben als Computerfachmann und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Stuttgart. Da der Umgang mit seelenlosen Maschinen seinen Gedanken die Farbe nimmt, wie er sagt, sucht und findet er schon lange seine Freiräume in der phantastischen Literatur. Anfangs folgte er noch anderen Autoren in die von ihnen geschaffenen fremden Welten, seit 1988 schreibt er selbst und eroberte sich mit seiner Neschan-Trilogie rasch eine große Fangemeinde. Seine Romane wurden bereits in vier Sprachen übersetzt.


Das lschtar-Tor

„Eigentlich wollte ich nur eine kleine Geschichte für meine damals 9-jährige Tochter schreiben. Herausgekommen ist eine Trilogie mit insgesamt 1.500 Seiten - nach sieben Jahren", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Dass heute nicht nur die Tochter seine Geschichten lesen kann, verdankt er Michael Ende. Bei einer Lesung drückte er dem berühmten Schriftsteller das Manuskript seiner ersten Erzählung in die Hand, der es nach der Lektüre sogleich seinem Verlag empfahl.

„Die von mir geschaffenen Welten sind eine bunte Sommerwiese, auf die ich jedesmal hinaustrete, wenn mein Geist einmal nach Herzenslust herumtoben will." Flucht vor der Wirklichkeit? „lm Gegenteil", meint Ralf lsau, der seine phantastischen Welten gerne als Spiegel sieht, in dem sich der Leser selbst erkennt.

Ralf Isau
Gekonnt flicht er in die Handlung seiner Bücher Zeitgeschichte und philosophische Fragestellungen ein. „Das Museum der gestohlenen Erinnerungen" ist daher nicht zuletzt als Appell wider das Vergessen und als Aufforderung zu verstehen, aus der Geschichte zu lernen.

Bibliografie:

Die Neschan-Trilogie

  • Die Träume des Jonathan Jabbok, Herbst 1995
  • Das Geheimnis des siebten Richters, Frühjahr 1996
  • Das Lied von der Befreiung Neschans, Herbst 1996
  • Das Museum der gestohlenen Erinnerungen, 1997
  • Das Echo der Flüsterer, 1998
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