Die Not der Familie Caldera

Gudrun Pausewang

Die Geschichte handelt von einem Indio namens Ramón, der in den Anden Südamerikas aufwächst. Er will es im Gegensatz zu seinen Verwandten zu etwas bringen. Er macht sich deshalb im Alter von 19 Jahren auf in die Großstadt. Dort bekommt er den Tipp, er solle sich seinen Zopf abschneiden, um als zivilisierter Indio gelten zu können. Für das Geld, das er für seinen Zopf bekommt, kann er sich sein erstes Paar billige Schuhe kaufen. Zu Anfang hat er Glück: Er lernt Don Ernesto kennen, der ihm hilft, eine Arbeit zu finden. In Don Ernestos Haushalt arbeitet Rafaela als Hausmädchen. Diese macht ihn mit verschiedenen modernen Geräten vertraut und hilft ihm auch sonst bei der Eingewöhnung in der Stadt. Rafaela wird später seine Frau, nachdem er ihr auf einem Jahrmarkt einen Heiratsantrag gemacht hat.

Nach einer Phase des Glücks (Hochzeit, Hauskauf, Geburt der ersten Kinder) erleidet die Familie verschiedene Schicksalsschläge: einige Kinder von Ramón und Rafaela sterben, und die Eltern verlieren nach Unfällen ihre Arbeit. Daher müssen die Calderas ihr Haus verlassen und in ein Elendsviertel ziehen. Da weder Mutter noch Vater eine neue Arbeit finden, wird Vater Ramón zum Dieb und zieht auch seine ältesten Kinder mit in die Kriminalität hinein. Tragischerweise wird Ramón bei einer seiner Diesbestouren von einem Hausbesitzer überrascht und erschossen. Die Mutter muss nun mit ihren Kindern von Haus zu Haus ziehen oder auf öffentlichen Plätzen sitzen und von dem leben, was sie durch das Betteln verdienen.


Stimmen zum Buch

"„Die Not der Familie Caldera": So sachlich und gewichtig wie der Titel ist das ganze Buch. Ein junger Indio, begabt und neugierig, verläßt das heimatliche Gebirgstal, um in der großen Hafenstadt sein Glück zu machen. Nach einem Anfang verliert er seinen Arbeitsplatz und damit jede Chance, sich und seine Familie zu ernähren. Die Autorin hat längere Zeit als Lehrerin an deutschen Schulen in Chile und Venezuela unterrichtet. Am Beispiel einer einzelnen Familie charakterisiert sie das Leben, die Lebensbedingungen Hunderttausender in Südamerika. Sie informiert über die sozialen Wirklichkeiten, ohne nach Schuldigen, ohne nach Lösungen zu suchen. Sie berichtet Tatsachen nüchtern und genau ... ein bewegendes Zeugnis einer auswegslosen, für uns unvorstellbaren Armut."
Barbara Roth, Süddeutsche Zeitung

Die Autorin

Gudrun Pausewang wurde am 03. März 1928 in Wichstadtl, Teschechoslowakeigeboren (bürgerlicher Name Gudrun Wilcke)

Als älteste Tochter eines Landwirts wuchs Gudurn Pausewang mit fünf Geschwistern in Ostböhmen auf. Nach der Grundschule besuchte sie ein Mädchengymnasium. Ihr Vater fiel im Zweiten Weltkrieg als sie 15 Jahre alt war.. Nach Kriegsende floh sie mit ihrer Familie nach Westdeutschland. In Wiesbaden ging sie weiter zur Schule und absolvierte 1948 das Abitur. Danach studierte sie am Pädagogischen Institut an der Lahn und unterrichtete dann als Grund- und Hauptschullehrerin. Ab 1956 lehrte sie an Deutschen Schulen in Chile (5 Jahre) und Vemnezuela (zweieinhalb Jahre). Sie bereiste in dieser Zeit das Amazonasgebiet, Feuerland, Peru, Bolivien, Kolumbien, Mexiko, Mittel-, Nord- und Südamerika. Ende 1963 ging sie zurück nach Deutschland, studierte Germanistik und unterrichtete an einer Grundschule. Vier Jahre später ging sie mit ihrem Mann Hermann Wilcke nach Kolumbien, wo sie fünf Jahre an der dortigen Schule unterrichtete.1972 kehrte sie mit ihrem damals zweijährigen Sohn endgültig nach Deutschland zurück. Seitdem lebt sie im hessischen Schlitz, das später Ort der Handlung ihrer Werke "Die letzten Kinder von Schewenborn" und "Die Wolke" wurde. Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1989 arbeitete sie dort als Lehrerin. 1998 promovierte sie an der Universität Frankfurt/Main mit ihrer Dissertation "Vergessene Jugendschriftsteller der Erich-Kästner-Generation" unter ihrem Passnamen Gudrun Wilcke. Für "Die Wolke" bekam sie 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Das Buch wurde 2006 verfilmt.


... Zwei davon für Gudrun Pausewang (1977 und 1983)

Gudrun Pausewang kam gleich zwei Mal nach Buxtehude. Einmal nahm sie den Bullen 1977 für „Die Not der Familie Caldera" mit nach Hause und 1983 „Die letzten Kinder von Schewenborn".
Die im März 1928 im Kreis Grulich in Ostböhmen geborene Gudrun Pausewang schrieb mit ihrem zweiten preisgekrönten Werk „Die letzten Kinder von Schewenborn", einen Roman über die Folgen einer Atombombenexplosionen. Sieht so unsere Zukunft aus? Gudrun Pausewang beschreibt den Ernstfall, den Super-GAU, dem am Ende eines unsinnigen stomaren Weltrüstens stehen könnte.
Die im Hessischen lebende Gewinnerin des siebten und des 13. Buxtehuder Bullen erzählt in „Die letzten Kinder von Schewenborn" eine Geschichte, die sich nach irgendeinem Krieg zugetragen haben könnte. Verbannte Erde, Trümmer, kein Platz für die Toten, fettgefressene Ratten und hungernde Kinder: Der Kampf ums nackte Überleben dominiert in all seinen Konsequenzen Gudrun Pausewangs Anklage gegen die routinierte Gleichgültigkeit internationaler Politik, in der die Nacht höher rangiert als das Leben.
Die Stuttgarter Zeitung schrieb: „Die Geschichte der Familie Bennewitz nach dem Abwurf einer Atombombe ist in nachgelegener, aufwühlender Sprache geschrieben. Die kurzen und knappen Sätze sitzen und doch entsteht eine wirklichkeitsfremde Dramaturgie." Für ihr engagiertes Antikriegsbuch erhielt Gudrun Pausewang 1984 den Gustav-Heinemann-Friedenspreis.

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