Sternschnuppenzeit

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Sternschnuppenzeit

Das Buch

Eine Liebesgeschichte mit politischen Hindernissen

Verliebte, die nachts am Himmel eine Sternschnuppe sehen, können sich dabei etwas wünschen. Allerdings dürfen sie mit niemandem darüber reden, sonst wird sich ihr Wunsch nicht erfüllen.

Anne und Sascha gelingt es mehrmals in der Woche ihres glücklichen Zusammenseins, Sternschnuppen am Himmel zu entdecken, als ob die Erfüllung ihres Wunsches dadurch beschleunigt werden könnte. Ohne Absprache wünschen sie sich dasselbe, denn Sascha wohnt nämlich in Leipzig und Anne in Frankfurt - nicht an der Oder, sondern am Main!

Kennengelernt haben sie sich, als Anne gemeinsam mit ihren Eltern den Urlaub bei ihrem Onkel in Leipzig verbrachte. Da sie viel lieber ans Meer wollte, ist sie nur mitgefahren unter der Bedingung, ihren Urlaub dort allein gestalten zu können und nicht dauernd bei Verwandten herumsitzen und Geschichten von früher anhören zu müssen.

Die übliche Begrüßungszeremonie läßt sie noch über sich ergehen, dann verschwindet sie, um auf eigene Faustdie Stadt zu erkunden. Auf dem Aussichtsplateau des Völkerschlachtdenkmals lemt sie den braungebrannten, etwa zwei Jahre älteren Sascha kennen, der sich anbietet, ihr die Stadt zu zeigen.

Die nächsten Tage verbringen die beiden gemeinsam, und ihre Beziehung wird immer intensiver. Sie verlieben sich, mit den dadurch entstehenden Problemen wollen sie sich nicht abfinden.

Zwei Tage früher als geplant, muß Anne mit ihren Eltern abreisen. Mit Briefen und Telelongesprächen versuchen die beiden Verliebten, die Distanz und Zeit bis zum Wiedersehen zu überbrücken. Anne nutzt jede Gelegenheit, um für ein paar Tage in die DDR zu fahren. Sie spielt mit dem Gedanken, für immer zu Sascha zu ziehen und ihn sogar nach Moskau zu begleiten, wo der Musterschüler nach der Zeit bei der Volksarmee studieren darf. Sascha setzt jedoch alles daran, seinen Notenschnitt zu verschlechtern, damit er in Leipzig bleiben kann.
Sowohl für Anne und Sascha als auch für deren Familien, die beide diese Beziehung nicht gutheißen, werden die Schwierigkeiten immer größer. Eines Tages entschließt sich Anne zu einem radikalen Vernunftschritt...

Die in der DDR aufgewachsene und seit zehn Jahren in der BRD lebende Autorin Isolde Heyne kennt beide Staaten genau und weiß, wovon sie schreibt. lhr Jugendbuch „Sternschnuppenzeit", also die Zeit der Wünsche, des Hoffens, beschreibt eine unschuldige, naive Liebe zweier Menschen, die groteskerweise aufgrund politischer und gesellschaftlicher Hindernisse zum Scheitern verurteilt ist. Aus dem sachlich geschriebenen Text kann man allerdings eine Hoffnung herauslesen, daß es nicht immer so bleiben muß. Begriffe wie Glasnost und Perestroika geben neuen Mut.

Wenn auch Annes Vater Mercedes fährt und Inhaber eines Bauunternehmens ist, das nur durch Entlassung von Arbeitern vor dem drohenden Konkurs gerettet werden kann, Anne als Unternehmertochter Marx nicht kennt und Saschas Vater ein Amt als Parteifunktionär ausübt, ist es erfreulich, daß die Autorin zwar Partei ergreift den noch um objektive Darstellung der beiden politischen Systeme bemüht ist, auf die üblichen Klischees von beiden Seiten verzichtet und so manche Vorurteile gegenüber der DDR abbauen kann.
Buxtehuder Bulle

Dagmar van Hoof schreibt in der Badischen Zeitung. vom 29. September 1988:

Liebe zwischen Ost und West A

lm Mittelpunkt des neuen Romans von Isolde Heyne steht die Liebe der 16jährigen Annegret und des 18iährigen Sascha. Eine alltägliche Geschichte? Ganz und gar nicht! Annegret kommt aus Frankfurt am Main, Sascha ist ein Funktionärssohn aus Leipzig. Das Mädchen lernt ihn während eines Verwandtenbesuches in der DDR kennen.

Isolde Heyne stößt den Leser mit diesem Roman in eine „Stemschnuppenzeit“ in eine Zeit der Hoffnung, der Träume zwischen Deutschland Ost und Deutschland West. Was wie ein Flirt beginnt, wird für beide schnell zur ersten Liebe ihres Lebens. Sie lernen wie „Der kleine Prinz“ in Saschas Lieblingsbuch, „mit dem Herzen suchen“. Die Autorin beschränkt sich nicht auf die Darstelung einer Zweierbeziehung,sondem sie vermittelt über ihre Hauptfiguren Einblick in den Alltag von Jugendlichen in beidendeutschen Staaten, ohne zu werten und Partei zu ergreifen deutet sie Widersprüche und Unzulänglichkeiten in beiden an. Nach Annegrets Abreise verändert sich das Leben für beide. Annegret kapselt sich von ihren bisherigen Freunden immer mehr ab, rennt gegen die Skepsis der Eltem und Freunde an „in Gedanken“ spielt sie immer wieder Zukunftsträume durch. Sascha reagiert radikaler als Annegret auf den Widerstand seiner Umwelt gegen seine „Westkontakte".

Einfühlsam ist nicht nur die Gefühlswelt der beiden Jugendlichen sondern auch die der betroffenen Eltern dargestellt. Isolde Heyne erliegt nicht der Gefahr, kischeehaft die Funktionärsfamilie in Leipzig darzustellen, gegen die ein verliebter Junge ankämpfen muß. Saschas Eltern werden in ihren eigenen Widersprüchen und in ihrer Sorge um ihr Kind gezeichnet. Sie haben Angst davor, daß ihr Sohn seinem Leben im Überschwang der Gefühle eine Wendung gibt, die seiner inneren Überzeugung nicht entspricht. Mit der Haupthandlung verbunden ist die Geschichte von Saschas Schwester Irina, für die bei einem Aufenthalt in der Sowjetunion die Begriffe Glasnost und Perestroika Realität bekommen haben. Auch hier scheinen Konflikte vorprogrammiert, so daß die Mutter resignierend feststellt: „Ich hab' schon ein paar Kinder! Der eine muß sich ausgerechnet ein Mädchen aus dem Westen aussuchen, die andere legt sich mit dem Vater an, weil ihr die Umgestaltung in der Praxis zu langsam geht.“

Patentrezepte liefert Isolde Heyne nicht. Sie zeigt am Beispiel Annes das Hineinwachsen eines jungen Mädchens in die Verantwortung für den Partner und das almähliche Akzeptieren der deutschen Realität. Die Träume von einer anderen Zukunft behält sie dennoch.

 

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