Rosalie

Der Autor | Das Buch


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 ... Adam läßt sich rücklings ins Gras fallen und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. "Hier könnte man sich vor der Polizeit verkriechen. Ein herrliches Stückchen Erde." "Sonne, Ruhe und Frieden", sagt Rosa. "Die schönsten Dinge im Leben".

Einfühlsam und liebevoll zeichnet Maria Seidemann Kindheit und Jugend des Mädchens nach, das schon als Schülerin, erfüllt von unbändiger Sehnnsucht nach Freiheit und Gerechtigeit, den Weg zum politischen Engagement der Arbeiterbewegung findet.

 

 

 

 

  

Maria Seidemann im Gespräch mit Christiane Baumann
Was regte Sie an, was provozierte Sie, dem Hörspiel (über Rosa Luxemburg) Ein Tagebuch wird verbrannt die Erzählung Rosalie folgen zu lassen?

Der Impuls … ging weniger vom Hörspiel aus. Zwischen dem 50. Jahrestag der Novemberrevolution 1968 und Bosa Luxemburgs 100. Geburtstag 1971 häuften sich Veröffentlichungen über sie. lch wurde mit einer Fülle dieser Publikationen, auch der in der BRD, in Polen, der Sowjetunion und in Frankreich erschienenen, bekannt und entdeckte für mich die Faszination, die von dieser Persönlichkeit ausging. Die anfängliche distanziose Bewunderung für Rosa die Indentifikation mit ihr, wich mit imensiveren Studien zu ihrem Entwicklungsweg dem Wunsch zur kritischen Auseinandersetzung. Schließlich führte mich dieser geistige Klärungsprozeß an den Punkt, wo auf Grund eigener Betroffenheit der Reiz zur künstlerischen Auseinandersetzung zwigend wurde … im Laufe dieser intensiven Auseinandersetzung hat mein Verhältnis zu der historischen Gestalt Wandlungen durchlaufen, und dies hat in den verschiedenen künstlerischen Versuchen verständlicherweise seinen Niederschlag gefunden. Zum Beispiel gab es auch eine Phase, die von dem Reiz bestimmt war, daß Rosa Luxemburg als Frau in einer Zeit, wo man es kaum vermutete, ihren emanzipatorischen Anspruch – bei gleichzeitiger Akzeptanz bestimmter Grenzen in einer männlichen dominierten Welt – in einem außergewöhnlichen Spannungsverhältnis von Radikalität und Sensibilität ausprägen konnte …

Was regt Sie an, insbesondere über Kinder und für Kinder zu schreiben?

Wie ich sagte, ist es für Kinder viel schwieriger, mit unlösbaren Problemen in ihrem Leben fertig zu werden. Sie sind wehrloser als Erwachsene, bedürfen daher unserer Hilfe. … Für mich sind Kinder, ich sage es ganz einfach mal so lapidar, die besseren Menschen. Ich sehe hier oft ganz andere Möglichkeiten als bei Erwachsenen, sie für bestimmte Fragen und Probleme des Zusammenlebens zu sensibilisieren, wobei es nicht so ist, daß ich mir vornehme, jetzt diese oder jene Erzählung direkt für Kinder zu schrieben. Das ergibt sich meist während des Schreibvorgangs.

Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen Fiktionalem, Dokumentatorischem und Authentischem?

In der Erzählung Rosalie sah ich … einen Zwang, Authentizität zu wahren, denn hier ging es nicht darum, einen historischen Vorgang literarisch produktiv zu machen, sondern eine Persönlichkeit der historischen Wahrheit nicht zu entfremden und sie trotzdem in die Gegenwart zu holen. Denn ich sehe darin einen sehr gegenwärtigen Vorgang: Ein junger Mensch, der anerzogene wie selbsterworbene Ideale so ernst nimmt, daß er sein Leben danach einrichtet, gibt zunächst die selbstverständliche Bindung an die Familie und deren Lebensweise auf und verliert am Ende die Heimat; was hat er statt dessen zu gewinnen? In seiner Konsequenz erschien mir der Werdegang der jungen Rosa vom behüteten kleinen Mädchen zur großen revolutionären Persönlichkeit bestechend.

Wie sehen Sie die Perspektiven und Chancen unserer Literatur und Kunst? Oder anders gefragt: Was bewegt Sie angesichts der Veränderungen in unserem Land hinsichtlich Ihrer künstlerischen und sozialen Existenz?

Meine Stimmung bewegt sich zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Die anfängliche Aufbruchstimmung ist mehr und mehr der Existenzangst gewichen. Die Hoffnungen des Oktober haben sich zerschlagen. Wir befinden uns derzeit in einer Vakuum-Situation, das bringt starke Verunsicherung mit sich, denn die neuen gesellschaftlichen Kostellationen zeichnen sich erst ab. Der Künstler kann aber die gesellschaftlichen Widersprüche und Probleme erst dann literarisch für sich produktiv machen, wenn er sich überblickt und über bestimmte Einschätzungen und Wertungen verfügt. Insofern sind die Auswirkungen auf den künstlerischen Schaffensprozeß als erheblich einzuschätzen. Natürlich fürchte ich wie viele meiner Kollegen um unsere kulturelle Indentität. Ich denke, daß es für die Zukunft unbedingt notwendig ist, den Schriftstellerverband als Berufsvertretung und zur Sicherung sozialer Belange zu erhalten. Wir benötigen ganz dringend einen starken Berufsverband als Berufsvertretung und zur Sicherung sozialer Belange zu erhalten. Wir benötigen ganz drigend einen starken Berufsverband, denn es gilt, gemeinsame existentielle Interessen wahrzunehmen. In diesem Ainne wünsche ich mir, daß die Beziehungen der Schriftsteller von Solidarität und Toleranz anstatt von Konkurrenzdenken und-kampf geprägt sein werden.

 

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